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3. - 4. März 2012 - Wochenende der offenen Antiquariate in Zürich
Anstelle der traditionellen Zürcher Antiquariatsmesse von Anfang März, möchten wir Sie hiermit herzlich zum «Wochenende der offenen Antiquariate» in Zürich einladen. 14 Bücherantiquariate in Zürich werden einmal mehr zeigen, wie attraktiv und sinnlich Bücher sein können.
Oeffungszeiten: Sa: 11- 17.00
So: 11- 17.00
GEDANKEN eines melancholischen Antiquaren zum ANTIQUARIATSGEWERBE.
DATENBANKEN
Datenbanken als Dienstleister tun so, als wären diese der Handel selbst und verdienen sich als das «weltweit größte Online-Antiquariat» ein goldenes Näschen (Einstellgebühren und Provisionen) am unternehmerischen Risiko und dem Wissen, das sich Antiquare in jahrelanger, andauernder Aus- u. Weiterbildung erarbeitet haben.
Natürlich ist es praktisch ein gesuchtes Buch rasch zu finden, aber man darf dabei andere Aspekte nicht ausser Acht lassen.
PREISZERFALL
Aufgrund des Überangebotes im Internet findet ein richtiger Preiskampf statt und Preise, auch von seltenen Büchern, tendieren seit Jahren nach unten.
Das freut die Kunden beim Kauf, jedoch erweist sich das dann beim Verkauf einer Sammlung als Bumerang, den dann erhalten diese nur noch wenige Fränkli für die jahrelang liebevoll zusammengesuchten Bände (Ausser natürlich es handelt sich um wirklich exquiste Kostbarkeiten).
In Deutschland gibt es seit einigen Jahren eine Firma, die Bücher mit ISBN-Nummern portofrei ankauft. Sie geben die Nr. in ein Programm ein und dieses sagt ihnen dann, was gezahlt wird. Die Titel werden dann beim angeblich grössten Buchhändler eingestellt und mittels Preisroboter täglich dem Markt angepasst. Immer einige Cents billiger als die Konkurrenz.
Dass ein seriöser Ankauf so nicht mehr möglich ist, versteht sich von selbst.
BERUFSWANDEL
Antiquar kann sich heute jeder nennen, der einige Bücher im Keller stehen hat. Und so sehen auch die Buchbeschreibungen ihres Angebots aus. Jede zweite Bestellung bei einem dieser «Kollegen» muss von uns retourniert werden, weil das Buch einfach nicht der Beschreibung entspricht. Letzthin erhielt ich ein illustriertes Buch ohne die darin enthaltenen Bildtafeln. Der «Kollege» riet mir dann, nachdem ich ihn überzeugen konnte, dass das Buch nicht komplett sei, zur Vernichtung des Buches.
LADENMIETEN
Unzählige Antiquare haben sich in Ihre Wohnung oder ins Lager zurückgezogen und betreiben das Geschäft von dort aus. Oder hören auf. In Deutschland ist dieser Prozess schon weit fortgeschritten, die Schweiz holt auf. Wer CHF 9000.– für ein 80 m2 grosses Ladenlokal an der unteren Kirchgasse zahlen muss, kann das nur, indem er ein bisschen Drogengelder wäscht.
An den Geschäften der Zürcher Altstadt lässt sich dies immer mehr ablesen. Dubiose Kleiderläden, Touristenkneipen, Bars etc.
Die Ladenmieten in den Zentren werden nicht nur für Antiquare immer mehr zu einem grosses Hindernis. Ein Stück Kultur scheint dadurch allmählich zu verschwinden.
WERTEWANDEL
Sammeln von Büchern ist nicht en vogue. Mit einer Bibliothek, im Gegensatz zu Bildern kann man niemanden überraschen. Das Buch ist ein Medium der Langsamkeit, kann also nicht rasch aufgenommen werden, sondern braucht Stunden um sich bei der Lektüre zu offenbaren.
Der Zerfall der Ideale des Bildungsbürgertums und die Oekonomisierung der Bildung - gelernt wird was rasch Geld bringt – sind weitere Faktoren.
FEHLENDER ANTIQUARENSTOLZ UND KEINE LOBBY
Antiquare sind Individualisten und tun sich schwer gemeinsam für ihre Belange einzustehen. Futterneid und unsinniges Konkurenzdenken sind weitere Gründe das der Antiquar im gesellschaftlichen Leben keine Rolle spielt. Und die «Vereinigung der Buchantiquare u.
Kupferstichhändler in der Schweiz», VEBUKU, tritt in der Oeffentlichkeit nicht auf und betreibt auch keine Lobbyarbeit.
GESCHLECHTERTRENNUNG
Frauen tauchen im Antiquariatsgewerbe marginal auf. Es ist ein Geschäft von mittelalterlichen Männern für ebensolche Kunden. Kundinnen kann man an der Hand abzählen. Oder kennen Sie eine Büchersammlerin?
AUKTIONIEREN
Im Zeitalter der totalen Oekonomisierung lassen Buchbesitzer oder ihre Erben die lukrativen Bücher lieber vom Auktionshaus abholen. Gezahlt wird erst nach erfolgter Auktion, abzüglich des Aufgeldes. Wobei nicht mal sicher ist, ob die Bücher einen Käufer finden.
Nicht so beim Antiquaren, der alles mitnimmt und sofort zahlt. Dieser Betrag ist manchmal sogar höher als die bei Auktionen erzielten Ergebnisse. Sind doch an Auktionen in erster Linie Händler vertreten und diese haben kein Interesse an hohen Ankaufspreisen.
Nachdem das Auktionshaus die «Rosinen» herausgepickt hat, wird für den restlichen Bestand ein Antiquar kontaktiert. Für diesen ist es aber jetzt nicht mehr attraktiv, da die sowohl vom bibliophilen wie oekonomischen Standpunkt interessanten Werke weg sind.
Oder die Erben des Bücherfreundes auktionieren das Ganze selber auf einer der entsprechenden Internetplattformen.
BROCKENHÄUSER
Ob von karitativen Institutionen oder von Privatleuten geführte Brockenhäuser, auch diese graben den Antiquaren das Wasser ab. Kein selbständiger Antiquar kann gegen derlei tiefe Buchpreise (aufbauend auf Gratisarbeit oder Löhne, die das Arbeits- oder Sozialamt bezahlt) bestehen.
Also beschränkt sich der Antiquar auf die teureren Stücke, was zur Konsequenz hat, dass auch Angestellte überflüssig werden. Hatten wir früher 3 Teilzeitkräfte, ist es heute nur noch eine einzige.
RESUMEE
Die Antiquare betreiben ein dahinsiechendes Gewerbe, dass nicht in der Lage ist, Antworten auf die drängenden Fragen im Zeitalter des Internets zu finden.
Es wäre nicht der letzte Beruf der die gesellschaftliche Entwicklung nicht überleben kann. Aber wäre es ein kultureller Verlust?
Besuchen Sie - solange es uns noch gibt - am 3. u. 4. März 2012 eine aussterbende Spezies.
Wir würden uns freuen mit Ihnen das Glas zu heben - natürlich auf das Antiquariat.
Freundlichen Gruss, Peter Petrej
PS:
Vom 27. bis 30. September 2012 findet im Kongresshaus Zürich die 24. Internationale Antiquariatsmesse der International League of Antiquarian Booksellers (ILAB) statt an der wir natürlich teilnehmen werden.
Die traditionelle Zürcher Antiquariatsmesse der Froschauer-Genossenschaft findet dann wieder Anfang März 2013 im Kunsthaus-Vortragssaal statt.
Teilnehmer am ANTIQUARIATS-WOCHENENDE 3. u. 4. März 2012
Antiquariat
Peter Petrej
Sonneggstr. 29
8006 Zürich
Antiquariat
A. Flühmann
Restelbergstr. 2
8044 Zürich
Antiquariat Im Seefeld
Ernst Jetzer
Seefeldstrasse 189
8008 Zürich
Kunstkiosk im Helmhaus
B. Rusterholz
Limmatquai 31
8001 Zürich
Antiquariat August Laube
B. Laube
Trittligasse 19
8001 Zürich
Antiquariat
H. Haubensack
Froschaugasse 11
8001 Zürich
Antiquariat ABC
Herr Götz Perll
Zähringerstr. 31
8001 Zürich
Antiquariat Biblion
L. Sakellaridis
Kirchgasse
8001 Zürich
Buchantiquariat Kaleidoskop
Herrn H. Brühlmann
Dangelstr. 15
8038 Zürich
Fine books
Peter Bichsel
Postfach
Gerechtigkeitsgasse 2
8001 Zürich
Eos
Buchantiquariat Benz
Kirchgasse 17 + 22
8001 Zürich
Stand 132
Kurt Stäubli
Oberer Zäune 8
8001 Zürich
Antiquariat
Zähringer
Froschaugasse 5
8001 Zürich
Musikantiquariat
Armin A. Trösch
Rämistr. 33
8001 Zürich
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